Offener Brief an alle Landesfeuerwehrschulen, Berufsfeuerwehren und Atemschutzwerkstätten


Eine Initiative des www.atemschutzlexikon.de

 

Atemschutzoffensive für das Interschutzjahr 2020

 

 

Vorbemerkung

 

Atemschutz spielt bei der Gewährleistung des Gesundheitsschutzes, ob im Bergbau, in der Industrie oder bei den Einsatzkräften der Feuerwehr, den Tauchern und in der Raum- und Luftfahrt seit je her eine besondere Rolle. Er ist als Schutz- und Sicherheitssystem in unserer heutigen Welt für viele Rettungs- und Arbeitsaufgaben unerlässlich und vor allem durch folgende Schwerpunkte gekennzeichnet:

·     Die Atemschutzgeräte und – ausrüstungen, die Geräteträger, ihre gesundheitliche Eignung und die Atemschutzgerätewarte unterliegen besonderen Vorschriften.

·     Der Bau, die Beschaffenheit und Nutzung aber auch die Prüfung, Wartung, Pflege, Lagerung und Instandhaltung von Atemschutzgeräten ist in nationalen und internationalen Standards genau geregelt. Wie in jeder technischen Fachdisziplin haben sich daher auch im Atemschutz spezielle Begriffe und Fachausdrücke herausgebildet, die eine eindeutige Definition und Benutzung verlangen.

·     Die Aus- und Fortbildung für alle Funktionsträger im Atemschutz erlangt zur Vermeidung von Atemschutzunfällen zunehmend an Bedeutung. Deren Inhalte müssen sich an den aktuellen Schwerpunkten im Atemschutz orientieren.

·     Grundsätze zum Vorgehen im Gefahren- und Arbeitsbereich müssen dazu beitragen, akut  vorhandene Gefahren zu kompensieren bzw. zu minimieren.

Die Umsetzung und Realisierung der genannten Schwerpunkte führte vor 17 Jahren zur Entstehung des Atemschutzlexikons. Initiiert durch den Atemschutzverantwortlichen an der heutigen Landesfeuerwehr- und Katatsrophenschutzschule Sachsen Dipl.-Ing. W. Gabler und den Philologen, Prof. Dr. Springer †(Stuttgart) kam es im Vorfeld der vfdb Jahresfachtagung 2002 in Dresden durch maßgebliche Unterstützung von Dr. Pasternack und Dipl.-Ing. Hesse (beide Drägerwerke AG, Lübeck) und unter Mitwirkung einer Vielzahl anerkannter Fachautoren und Atemschutzexperten zur Herausgabe des 1. Lexikon Atemschutz als Printversion durch die Drägerwerke AG.

Es entstand ein noch heute welteinmaliges Werk mit inzwischen anerkanntem hohem wissenschaftlichem und praktischem Nutzwert.

 

 

 

Das Atemschutzlexikon fand schnell Eingang bei Atemschutzanwendern, -nutzern und Entscheidern. Es verdeutlicht, dass die Rechtsvorschriften im Atemschutz – gerade im Prozess der europäischen Harmonisierung, Normung und Standardisierung – permanent Änderungen unterliegen. Diese Änderungen wider zu spiegeln und anwendungsbereit aufgearbeitet seinen Nutzern anzubieten war von Beginn an Leitgedanke des Atemschutzlexikons.

Deshalb existiert das Atemschutzlexikon dem Zeitgeist folgend, seit nun mehr 16 Jahren erfolgreich im Internet als www.atemschutzlexikon.de. 2,4 Millionen Klicks, allein in 2017, bezeugen das deutlich. Die Redaktion ist stolz darüber, dass sich ihre viele Arbeit zur Verbesserung der Sicherheit im Atemschutz lohnt und von Nutzern und Fachleuten anerkannt wird.

 

Befragungen von Fachpersonal

 

Eine Aufgabe, deren Lösung sich die Redaktion des Atemschutzlexikons verpflichtet fühlt, ist die kontinuierliche Analyse des quantitativen und qualitativen Bedarfs im Atemschutz. Dafür nutzt  die Redaktion die Plattform der Fachtagungen Atemschutz, eine in Kooperation mit der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen durchgeführten Veranstaltung. Deren Vorbereitung und Durchführung lieferten dafür zahlreiche Angaben, Aussagen und eine Vielzahl wichtiger Hinweise vor allem zu den Themenkomplexen:

  • Sicherheit und Zuverlässigkeit der vorhandenen ASG / Modernität / Zweckmäßigkeit
  • ASG Entwicklungstrends / Ergonomie / Elektronik / Zubehör
  • Hinweise, Fakten und Informationen für Hersteller, Entscheider , Beschaffer und Ausbilder
  • Bedarf an Erhöhung von Sicherheit und Gesundheitsschutz für Atemschutzgeräteträger und Atemschutzgerätewarte

 

Schwerpunkte im Atemschutz

 

Die heute eingesetzten Atemschutzgeräte (ASG) sind unabhängig des Herstellers und vorausgesetzt subjektives Fehlverhalten beim Einsatz und in der Wartung und Instandhaltung ausgeschlossen, sicher und zuverlässig! Das ist eine sehr bedeutsame Aussage, die eindeutig so aus den Befragungen abgeleitet werden kann.  Dennoch gibt es immer wieder Unfälle mit Atemschutzgeräten im Einsatz.

Nachfolgende 4 Megatrends lassen sich aus der Analyse der Befragungen  ableiten:

1.   Notwendigkeit der Verbesserung und Vereinheitlichung der Atemschutzausbildung für alle Atemschutzgeräteträger, insbesondere bei der Wärmegewöhnung, bzw. im Realbrandtraining und der AS Notfallrettung

2.   permanente Gewichtsreduzierung und Verbesserung der Ergonomie der Atemschutzausrüstung zur Reduzierung der Belastungen im Atemschutzeinsatz

3.   Sicherung der Gesundheit der Atemschutzgeräteträger unter allen Bedingungen im Einsatz, insbesondere bei starken Kontaminationen während Brandeinsätzen in Bereichen mit hohen Kunststoffanteilen

4.   Sicherung der Gesundheit der Atemschutzgerätewarte bei Entgegennahme benutzter Atemschutzgeräte mit starken Kontaminationen und während des Kreislaufes in der Atemschutzwerkstatt  

 

Darüber hinaus erscheint es für Hersteller und Ausbilder empfehlenswert, sich mit den Detailergebnissen der Befragungen weiter auseinanderzusetzen und diese ggf. zu vertiefen.

Moderne Atemschutzausrüstungen und ihr Elektronikequipment, aber auch zahlreiche aktuelle Erkenntnisse zu gesundheitlichen Bedenken bei Kontamination mit gefährlichen Brandprodukten bieten ausreichende Betätigungsfelder.

 

Gegenstand unserer Initiative

 

Die erwähnten Befragungen haben selbstverständlich Erwartungshaltungen bei den Nutzern geweckt. Das Atemschutzlexikon sieht sich daher als Fachlexikon angesprochen und verpflichtet, den herausgearbeiteten Schwerpunkten zu entsprechen und die Informationen der  zuständigen Gremien, Ausbildungsstätten und Hersteller mit Erkenntnissen der ASL Redaktion um das, was Atemschutzgeräteträger und Verantwortliche im und für den Atemschutz bewegt zu ergänzen.

Wir wollen erreichen, dass das vorhandene hohe Niveau in Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Einsätzen zur Rettung und zur Arbeit im Atemschutz gehalten und den neuesten Erkenntnissen entsprechend, weiter vorangebracht wird.

Dazu ist es aber notwendig, dass landes- besser bundeseinheitliche Standards für die Ausbildung im Atemschutz gesetzt und eingehalten werden, und die erkannten o.g. Megatrends umgesetzt werden.

 

Das ASL unterstützt sehr gern und mit aller Kraft diesen Prozess, z. B. mittels

·     Bereitstellung von Lehrunterlagen zur Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern und zur Fortbildung in den Bereichen Atemschutzüberwachung und  Atemschutznotfallrettung (siehe: http://www.atemschutzlexikon.de/ausbildung/ )

·     gemeinsamer Fachtagung mit der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachen zum Thema „Krebsrisiko im Feuerwehrdienst“ (siehe:  http://www.atemschutzlexikon.de/fuehrungskraefte/fachtagung-atemschutz/fachtagung-atemschutz-2018/ )

·     Bereitstellung von Gefährdungsbeurteilungen von Atemschutzwerkstätten und Atemschutzübungsanlagen (siehe: http://www.atemschutzlexikon.de/fuehrungskraefte/gefaehrdungsbeurteilungen-im-atemschutz/ )

·     gemeinsam mit unseren Sponsoren durchzuführende Sachkundelehrgängen für Reinigung und Desinfektion von Atemschutz- und Körperschutzausrüstung zum Erkennen der Gefahren durch äußere und innere Kontamination sowie deren zielgerichtete Kompensation

·     Hinweise für Einsatzleiter und Atemschutzgerätewarte zur Kompensierung der Gefahren durch äußere und innere Kontamination von Atemschutzgeräten (siehe u.a.: http://www.atemschutzlexikon.de/?id=2111)

 

Zur Umsetzung sind neue Initiativen gefragt.  Wir stehen bereit, weitere Initiativen folgen zu lassen. Wir rufen alle im Atemschutz Tätige und für Sicherheit und Gesundheitsschutz Verantwortliche auf, diese 4 Megatrends in die Basis ihrer Arbeit einzubeziehen.

 

 

Unserer Meinung nach ist es notwendig, dass unter Führung der Landesfeuerwehrschulen ein Prozess initiiert wird, der sich diesen Themen noch stärker widmet als bisher spürbar, u.a. bei der Gestaltung der neuen Feuerwehrdienstvorschrift 2 Ausbildung der Feuerwehr.

Atemschutzgeräteträger bei Rettungs- oder Arbeitseinsätzen, Atemschutzgerätewarte, Ausbilder einschließlich bei landes-, bundes und herstellergebundene Ausbildungseinrichtungen tätige, Atemschutzverantwortliche  und Unfallversicherer  - alle sollten sich so zur Bewältigung künftig höherer Gefährdungen ertüchtigen. Das ASL hat mit der Unterstützung dieses Prozesses bereits begonnen.